Kapitel 1: Was ist eigentlich ein Psychologe?
(weiterführende Links zu diesem Aufsatz finden Sie weiter unten)
Gerade bei uns in Deutschland sind für viele die Begriffe “Psychologe”, “Psychotherapeut”, “Psychiater” und “Nervenarzt” noch Synonyme, das heißt, die Begriffe werden oft verwechselt. Daher hier eine kurze Erläuterung zum besseren Verständnis.
Ein Nervenarzt ist ein Facharzt, der sich in der Praxis mit der Heilung und in der Wissenschaft mit dem Erforschen von Nervenkrankheiten beschäftigt. Diese Nervenkrankheiten können (müssen aber nicht) Folgen seelischer Störungen oder allgemeiner psychischer Problematiken sein. In der Regel wird man von seinem Hausarzt zu einem Neurologen überwiesen, wenn die Nervenkrankheit wahrscheinlich vorhanden ist, um sie medizinisch zu heilen. Dabei wird sich der Nervenarzt in der Regel zwar auch mit den Hintergründen der Krankheit beschäftigen, diese jedoch zu behandeln ist nicht seine vordringliche Aufgabe.
Ein Psychiater ist ebenfalls Mediziner. Er ist zuständig für nachweislich schwerere Fälle von seelischen oder geistigen Krankheiten. Meist tritt er auf den Plan, wenn die Krankheiten so stark auftreten, dass der Erkrankte für sich oder seine Umwelt in stärkerer Weise ein Problem darstellt. Zu den schweren geistigen Erkrankungen gehört unter anderem die Schizophrenie, zu den leichteren unter anderem ein fortgeschrittene Angststörung (Phobie). Auch hier erfolgt die Überweisung in der Regel durch den Hausarzt.
Ein Psychotherapeut ist (insbes. seit der Einführung des Psychotherapeutengesetzes 1999) ein durch eine spezielle Studiumsausrichtung oder durch eine spezifizierte Zusatzausbildung approbiierter Psychologe oder Mediziner. Nach der Zertifizierung erhält dieser Therapeut den Zusatztitel “psychologischer Psychotherapeut”. Dieser Titel berechtigt zur Durchführung von Therapierichtungen, die durch die kassenärztlichen Zulassungsstellen anerkannt werden und somit durch gesetzliche Krankenkassen finanziert werden können. Psychotherapeuten, die vor 1999 diesen Titel trugen, sind zwar weiterhin Psychotherapeuten, dürfen jedoch weder diesen Titel frei nutzen, noch auf Kosten der Krankenkassen abrechnen.
Allerdings ist der Psychotherapeut, der auf der Basis des Heilpraktikergesetzes (HPG) arbeitet, nach wie vor in der Lage, seine Patienten therapeutisch zu bedienen. Auch wenn die Kassen es weder gern sehen noch bezahlen (wollen). Es gibt nämlich weitere Therapierichtungen, die zwar nicht finanziert werden, die aber von der Wirkung her ähnlich erfolgreich sein können. Ihnen fehlen lediglich die umfassenden Möglichkeiten und Sicherheiten, so dass sie nur bei speziellen Problemen angewendet werden können (Beispiele: Logotherapie, Arbeitstherapie, Musiktherapie u.v.a.m.)
Bleibt schließlich noch der Psychologe
Psychologie ist eine sehr vielfältige Wissenschaft und es gibt Psychologen in den unterschiedlichsten Fachrichtungen. Als Beispiele seien genannt: Arbeits- und Organisationspsychologen, Schulpsychologen, Verkehrspsychologen, Entwicklungspsychologen, Werbepsychologen und viele andere mehr. Eins aber gilt für alle Fachrichtungen - nämlich dass der Mensch, seine Emotionen, seine Motivation und sein Verhalten im Mittelpunkt der psychologischen Arbeit steht.
Daher ist ein Psychologe nicht unbedingt gleich Therapeut und hat überwiegend auch nicht direkt mit der Medizin zu tun. Die übergreifende Konzentration liegt bei einem Psychologen - neben einer möglichen, therapeutischen Tätigkeit - auf einer Beobachtungs- und Beratungstätigkeit. Hierbei bedient er sich verschiedenartigster Instrumente (berühmt-berüchtigt sind die Psychotests, v.a. der sog. Intelligenztest, die unter einer oft unbegründeten Skepsis seitens der allgemeinen Öffentlichkeit leiden).
Setzt man den Psychologen im Verhältnis zu den oben angesprochenen Berufsgruppen (Psychotherapeut, Psychiater, Nervenarzt), so erfüllt er die Rolle des Diagnostikers und Vorbehandlers. Das heißt, er überprüft, wie hoch der Leidensgrad oder gar die Erkrankung des Probanden (Klienten) ist. Auch kann er erfassen, welche Möglichkeiten der Hintergründe und Ursachen der diagnostizierten Problematik zugrunde liegen und welche mögliche Hilfe weiter anzuraten ist.
Sollte er zweifelsfrei feststellen können, dass keine besondere Weiterbehandlung zum gegebenen Zeitpunkt notwendig ist (wobei er sich in der Regel mit Fachkollegen berät), so kann er selbst die Behandlung in Form von lebensbegleitender Beratung und Hilfe übernehmen.
Daher sollten Sie bei einem Psychologen zunächst immer von einem “psychologischen Berater”, nicht aber gleich von einem Therapeuten reden. Erst wenn der Therapeut gefragt ist, wenn also ein Problem oder eine psychische Störung diagnostiziert wurde, ist die Kompetenzgrenze des normalen Psychologen erreicht und es muss nach entsprechend qualifizerter Weiterbehandlung gefragt werden, die natürlich vorhanden sein kann.
Ich selbst bin als Psychologe auch anerkannter Psychotherapeut gem. HPG; das heißt, ich darf im Rahmen des Heilpraktikergesetzes psychotherapeutisch arbeiten, mich aber nicht Psychotherapeut nennen. Irgendwie bekloppt oder? Das heißt, ich habe eine klinische Fachausbildung genossen, bin amtlich anerkannt (durch die Stadt Bamberg) und darf auf privater Basis abrechnen. Es gibt auch gesetzliche Kassen, die meine Arbeit finanzieren, dies jedoch nur in konkreten Einzelfällen. Darüberhinaus sind die sog. probatorischen Sitzungen (meist 5) möglich.
Nicht zuletzt wegen dieser Finanzierungsmisere habe ich das Psychotherapeutengesetz mit Skepsis zur Kenntnis genommen. Nicht, weil ich glaube, dass jeder Scharlatan sich weiterhin “Pschotherapeut” nennen darf, sondern weil viele Kollegen, die eine gute, zwar nicht vollinhaltlich klinisch ausgerichtete, Ausbildung hinter sich haben, und schon längst erfolgreich prakizierten, nun plötzlich eine sündhaft teure Zusatzausbildung absolvieren müssen. Das ist in etwa zu vergleichen mit einem Schornsteinfeger, der bereits den Meister absolviert hat, der aber nun noch einmal drei Jahre in die Lehre gehen muss, nur weil die Lobby der Heizungsbauer plötzlich ein Gesetz erwirkt, dass nur ihre Zunft in der Lage wäre, Kamine sachgemäß zu reinigen.
Daher weigere ich mich, die erforderliche Zertifizierung zu erwerben. Ich habe meine klinische Ausbildung wie gesagt hinter mir, wurde durch die Behörden vor einigen Jahren auch offiziell mit der Berechtigung zur Durchführung von Psychotherapien ausgestattet, und soll nun noch einmal mind. 25.000 Euro in eine dreijährige Fortbildung stecken (bei der ich obendrein ein Jahr kostenlos in einer entsprechenden Klinik arbeiten soll!), ohne die Möglichkeit, meinen Lebensunterhalt durch Arbeit zu bestreiten? Nein danke! Um es noch einmal zu betonen: Es geht mir nicht darum, gegen eine fachliche Fort- und Weiterbildung zu argumentieren, sondern schlicht um den Kostenfaktor, der neben der immens hohen Gebühr für die Weiterbildung ja auch noch den Verlust an Einnahmen beinhaltet (vgl. folgenden Artikel: “Da muss man schon einen reichen Papi haben”). Daher habe ich meine Schwerpunktarbeit auch von der Therapie in andere Berufszweige verlegt.
Ich betrachte mich jedoch immer noch als freien Psychotherapeuten. Wer daher bereit ist, in eine von mir durchführbare psychotherapie Behandlung selbst zu investieren, kann diese gern genießen. Allerdings ist eine selbst finanzierte Therapie sehr teuer (ca. bis zu 155 Euro pro Stunde), so dass ich empfehle, zunächst einen kassenärztlich zugelassenen Kollegen aufzusuchen.
In manchen Fällen bin ich aber gern bereit, meine Stundensätze dem Einkommen des Klienten anzupassen. Dies gilt vor allem für Schüler und Studenten, die kaum in der Lage sind, überhaupt eine solche Therapie zu finanzieren. In diesen Fällen leite ich gern eine Therapie kostenlos ein und überweise dann an einen Kollegen, der die Behandlung bei Bedarf auf Kosten der Krankenkasse weiterführen kann.
Links zu diesen Themen:
1) Die beste Psychologieseite im Netz: www.psychologie.de
(hier gibt es auch Links auf weitere, spannende Seiten)
2) Das Psychotherapeutengesetz
3) Patienteninformation der Kassenpsychotherapeutenvereinigung
| … zurück | weiter … |
|---|




Webdesign von Matic-Tec.de