Kapitel 7: Die psychischen Krankheiten
Psychische Krankheiten werden im Wesentlichen in zwei Hauptgruppen unterteilt: die Neurosen und die Psychosen. Jede umfasst eine Vielzahl verschiedener Störungen mit spezifischer Problematik.
Neurosen dürften den meisten von uns im Alltag in irgendeiner Form schon begegnet sein. Sie treten nicht selten als Folge von Konditionierungseffekten auf. So kann z.B. eine unberechtigte Bestrafung durch einen Lehrer in der Grundschule je nach Problemlage und Charakter des Kindes eine neurotische (unbegründete!) Angst vor der Schule im allgemeinen auslösen. An diesem Beispiel und weiteren anderen ist vor allem deutlich, dass eine angstauslösende Situation neurotische Handlungen steuert.
Die Palette psychischer Krankheiten reicht von leichten bis chronisch depressiven Zuständen über Zwangsvorstellungen bis zu Störungen, die einen vollständigen Rückzug aus der Realität in eine Welt beinhalten, die nicht der Wirklichkeit entspricht, die die meisten von uns wahrnehmen. Eugen Bleuler, Schweizer Psychiater, prägte den Ausdruck “Schizophrenie”. Im Gegensatz zur allgemeinen Auffassung bedeutet Schizophrenie jedoch nicht “gespaltene Persönlichkeit”, sondern benennt eine Vielzahl von Krankheiten oder auch nur Persönlichkeitsstörungen, die dem Betroffenen Schwierigkeiten bereitet, sich im Alltag zurecht zu finden bzw. sich angepasst zu verhalten.
Während frühere Schock-Therapien (bekannt sind die Elektroschocks oder die Insulinschock-Therapien) wenig bis gar nichts an Erfolg in der Behandlung zeigten, so haben sich mittlerweile Erfolge bei der Bekämpfung dieser Krankheitsgruppe mit Hilfe von Medikamenten eingestellt.
Die Behandlung psychischer Krankheiten leidet jedoch vor allem daran, dass auch eine gleichartige Symptomatik nicht auf gleiche Ursachen schließen lässt. Auch ist es ein Irrglaube, gleiche Krankheiten mit gleichen Methoden heilen zu wollen. Psychische Krankheiten nämlich zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass das Individuum eine völlig eigene Sichtweise (Schutz!) der Dinge bzw. der Realität entwickelt, eigene Handlungsstränge sind daraus zwar ableitbar aber nicht unbedingt vorhersehbar und letztlich muss der behandelnde Arzt/Psychiater/Psychologe in der Lage sein, sich voll und ganz in die Persönlichkeit des Kranken einzubinden, sich also mit seiner Lebensgeschichte ausgiebig zu beschäftigen.
Um einen psychisch Kranken wirklich behandeln zu wollen bzw. zu können, bedarf es unendlicher Geduld und Willen, genau diesem Kranken zu helfen. Ist das heute überhaupt möglich? War es eigentlich jemals möglich?
Darüberhinaus stellt sich die Frage, ob es dem Kranken überhaupt gut tut, dass man ihm hilft. Würde es nicht für einen stark schizophrene Patienten nicht schlimmer bzw. bedrohlicher sein, sich in unserer normierten Alltagswelt wider zurecht finden zu müssen?
Noch mehr aber ist die Frage der Notwendigkeit von Hilfe angesagt, wenn es um psychische Abnormitäten der Art geht, dass z.B. ein Vergewaltiger und/oder Kinderschänder in unserer Gesellschaft sein Unwesen treibt, in die Psychiatrie überstellt wird und dort “angepasstes Verhalten” zeigt, um dann irgendwann entlassen zu werden - bis er Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre später wieder rückfällig wird.
Da diese Website neben einer kurzen Information über den Begriff Psychologie nur einen kleinen Einblick in die Gebiete ermöglicht, die die Psychologie ausmachen, sind natürlich solch weitreichenden Bemerkung von oben gefährlich. Dennoch stelle ich diese Beurteilung hier hinein in der Hoffnung, dass sie weitreichende Diskussionen (auch mit mir) einleitet.
Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit den Mitteln, mit denen psychische Krankheiten behandelt werden (wenn auch nicht immer oder selten erfolgreich).
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