Kapitel 8: Behandlung von psychischen Krankheiten

Therapiemethoden (-schulen)


In der Geschichte der Behandlung von psychischen Krankheiten stehen vor allem und immer wieder die schizophrenen Erkrankungen im Fokus der Aufmerksamkeit. Die Behandlung von (leichten) Neurosen, depressiven Verstimmungen, Ängsten und ähnliche, nichtkörperliche Erkrankungen dagegen stehen eher hintan. Damit will ich ausnahmsweise keine Kritik üben. Es ist durchaus verständlich, dass den schwereren Krankheiten (weil für das Individuum und die Gesellschaft in der Regel bedrohlicher) ein höherer Forschungsstellenwert zuerkannt wird.

Was ich schlimmer finde ist die unglaublich hohe Zahl an sogenannten Therapieschulen. Fassungslos konnte ich vor etwa 10 Jahren in einem Fachartikel lesen, dass wir (unter Berücksichtigung der Verzahnung einzelner Methoden wie z.B. der Hypnose) schon damals weit über 250 beschriebene und (angeblich nachgewiesen) erfolgreiche Methoden kennen. Zweihundertfünfzig! Und in den Folgejahren kann sich das noch vervielfältigt haben, wenn man die Evolution der Psychologenriege betrachtet.

Ich schrieb ja bereits, dass es quasi so viele Heilmethoden wie Psychologen gibt. Diese These bleibt auch so stehen. Aber mit Entsetzen muss ich feststellen, dass zwischen dem Wahnwitz der oben genannten Zahl und der derzeit als “anerkannt” geltenden Methoden (drei!) eine riesige Lücke klafft.

Wo also liegt die Wahrheit? Kann jede psychische Krankheit mit der Wahl aus nur drei anerkannten Methoden behandelt werden? Oder gibt es tatsächlich mehr als 250 Methoden, aus denen man sich die richtige für eine bestimmte Krankheit aussuchen kann?

Kritik


Mag sein, dass wir das heute, morgen und auch noch in zehn und noch mehr Jahren nicht ausschöpfend diskutieren können; aber ich stelle hier noch einmal die Behauptung auf, dass es weniger auf die Methode, als mehr auf die Person des Untersuchers, des Behandelnden ankommt - ergo auf den Psychologen, Therapeuten oder Psychiater.

Die Kernfragen dürften sein:

  • Kann der Therapeut sich mit der besonderen Empfindung des Patienten gebührend auseinandersetzen?
  • Nimmt er sich genügend Zeit und erhöht seine Aufmerksamkeit bei der Anamnese und Exploration?
  • Vergisst er wenigstens für die Anfangsphase der Arbeit seine Plantheorien und... HÖRT ZU?
  • Ist der Therapeut darüber hinaus bereit, seinen ursprünglichen Therapieplan (so er überhaupt einen hat, was schon eine eigene Frage wert ist!) zu korrigieren, weil er feststellt, dass er (und nicht der Patient!) einen Einschätzungsfehler begangen hat?
  • Und schließlich: Ist der Therapeut auch wirklich an einem Gesundungserfolg interessiert? Das heißt, schleppt er nicht den Patient aus Gewinngründen (wir arbeiten ja nun mal nicht ehrenamtlich) nur immer weiter durch?