Über Psychologie

Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten.

Auf dieser Seite werden Sie Wissenswertes über die Psychologie im Allgemein und Besonderen finden. Abgesehen von Fakten werde ich mir natürlich die Freiheit nehmen, persönliche Kommentare und Ansichten niederschreiben. Zu Ihrem Wohl, aber auch zur Provokation von Kritik. Denn nichts ist lebendiger, als eine Wissenschaft und ein Berufszweig, der zu Konfrontationen einlädt. Seien Sie also eingeladen, sich mit mir auseinander zu setzen.

Ich erhebe allerdings weder den Anspruch, auf diesen Seiten eine wissenschaftliche Abhandlung, noch ein allgemein gültiges Wörterbuch der Psychologie zu erstellen. Auch ist die Themenliste nicht umfassend, was sich aber sicherlich noch ändern kann.

Die Themen:

  1. Was ist eigentlich ein Psychologe?
  2. Eine kurze Geschichte der Psychologie
  3. Psychologie des Lernens
  4. Die menschliche Psyche
  5. Die psychischen Krankheiten
  6. Behandlung von psychischen Krankheiten
  7. Medikamente und Drogen
  8. Drogenkonsum

Was ist eigentlich ein Psychologe?

Gerade bei uns in Deutschland sind für viele die Begriffe “Psychologe”, “Psychotherapeut”, “Psychiater” und “Nervenarzt” noch Synonyme, das heißt, die Begriffe werden oft verwechselt. Daher hier eine kurze Erläuterung zum besseren Verständnis.

Ein Nervenarzt ist ein Facharzt, der sich in der Praxis mit der Heilung und in der Wissenschaft mit dem Erforschen von Nervenkrankheiten beschäftigt. Diese Nervenkrankheiten können (müssen aber nicht) Folgen seelischer Störungen oder allgemeiner psychischer Problematiken sein. In der Regel wird man von seinem Hausarzt zu einem Neurologen überwiesen, wenn die Nervenkrankheit wahrscheinlich vorhanden ist, um sie medizinisch zu heilen. Dabei wird sich der Nervenarzt in der Regel zwar auch mit den Hintergründen der Krankheit beschäftigen, diese jedoch zu behandeln ist nicht seine vordringliche Aufgabe.

Ein Psychiater ist ebenfalls Mediziner. Er ist zuständig für nachweislich schwerere Fälle von seelischen oder geistigen Krankheiten. Meist tritt er auf den Plan, wenn die Krankheiten so stark auftreten, dass der Erkrankte für sich oder seine Umwelt in stärkerer Weise ein Problem darstellt. Zu den schweren geistigen Erkrankungen gehört unter anderem die Schizophrenie, zu den leichteren unter anderem ein fortgeschrittene Angststörung (Phobie). Auch hier erfolgt die Überweisung in der Regel durch den Hausarzt.

Ein Psychotherapeut ist (insbes. seit der Einführung des Psychotherapeutengesetzes 1999) ein durch eine spezielle Studiumsausrichtung oder durch eine spezifizierte Zusatzausbildung approbiierter Psychologe oder Mediziner. Nach der Zertifizierung erhält dieser Therapeut den Zusatztitel “psychologischer Psychotherapeut”. Dieser Titel berechtigt zur Durchführung von Therapierichtungen, die durch die kassenärztlichen Zulassungsstellen anerkannt werden und somit durch gesetzliche Krankenkassen finanziert werden können. Psychotherapeuten, die vor 1999 diesen Titel trugen, sind zwar weiterhin Psychotherapeuten, dürfen jedoch weder diesen Titel frei nutzen, noch auf Kosten der Krankenkassen abrechnen.

Allerdings ist der Psychotherapeut, der auf der Basis des Heilpraktikergesetzes (HPG) arbeitet, nach wie vor in der Lage, seine Patienten therapeutisch zu bedienen. Auch wenn die Kassen es weder gern sehen noch bezahlen (wollen). Es gibt nämlich weitere Therapierichtungen, die zwar nicht finanziert werden, die aber von der Wirkung her ähnlich erfolgreich sein können. Ihnen fehlen lediglich die umfassenden Möglichkeiten und Sicherheiten, so dass sie nur bei speziellen Problemen angewendet werden können (Beispiele: Logotherapie, Arbeitstherapie, Musiktherapie u.v.a.m.)

Bleibt schließlich noch der Psychologe

Psychologie ist eine sehr vielfältige Wissenschaft und es gibt Psychologen in den unterschiedlichsten Fachrichtungen. Als Beispiele seien genannt: Arbeits- und Organisationspsychologen, Schulpsychologen, Verkehrspsychologen, Entwicklungspsychologen, Werbepsychologen und viele andere mehr. Eins aber gilt für alle Fachrichtungen - nämlich dass der Mensch, seine Emotionen, seine Motivation und sein Verhalten im Mittelpunkt der psychologischen Arbeit steht.

Daher ist ein Psychologe nicht unbedingt gleich Therapeut und hat überwiegend auch nicht direkt mit der Medizin zu tun. Die übergreifende Konzentration liegt bei einem Psychologen - neben einer möglichen, therapeutischen Tätigkeit - auf einer Beobachtungs- und Beratungstätigkeit. Hierbei bedient er sich verschiedenartigster Instrumente (berühmt-berüchtigt sind die Psychotests, v.a. der sog. Intelligenztest, die unter einer oft unbegründeten Skepsis seitens der allgemeinen Öffentlichkeit leiden).

Setzt man den Psychologen im Verhältnis zu den oben angesprochenen Berufsgruppen (Psychotherapeut, Psychiater, Nervenarzt), so erfüllt er die Rolle des Diagnostikers und Vorbehandlers. Das heißt, er überprüft, wie hoch der Leidensgrad oder gar die Erkrankung des Probanden (Klienten) ist. Auch kann er erfassen, welche Möglichkeiten der Hintergründe und Ursachen der diagnostizierten Problematik zugrunde liegen und welche mögliche Hilfe weiter anzuraten ist.

Sollte er zweifelsfrei feststellen können, dass keine besondere Weiterbehandlung zum gegebenen Zeitpunkt notwendig ist (wobei er sich in der Regel mit Fachkollegen berät), so kann er selbst die Behandlung in Form von lebensbegleitender Beratung und Hilfe übernehmen.

Daher sollten Sie bei einem Psychologen zunächst immer von einem “psychologischen Berater”, nicht aber gleich von einem Therapeuten reden. Erst wenn der Therapeut gefragt ist, wenn also ein Problem oder eine psychische Störung diagnostiziert wurde, ist die Kompetenzgrenze des normalen Psychologen erreicht und es muss nach entsprechend qualifizerter Weiterbehandlung gefragt werden, die natürlich vorhanden sein kann.

Ich selbst bin als Psychologe auch anerkannter Psychotherapeut gem. HPG; das heißt, ich darf im Rahmen des Heilpraktikergesetzes psychotherapeutisch arbeiten, mich aber nicht Psychotherapeut nennen. Irgendwie bekloppt oder? Das heißt, ich habe eine klinische Fachausbildung genossen, bin amtlich anerkannt (durch die Stadt Bamberg) und darf auf privater Basis abrechnen. Es gibt auch gesetzliche Kassen, die meine Arbeit finanzieren, dies jedoch nur in konkreten Einzelfällen. Darüberhinaus sind die sog. probatorischen Sitzungen (meist 5) möglich.

Nicht zuletzt wegen dieser Finanzierungsmisere habe ich das Psychotherapeutengesetz mit Skepsis zur Kenntnis genommen. Nicht, weil ich glaube, dass jeder Scharlatan sich weiterhin “Pschotherapeut” nennen darf, sondern weil viele Kollegen, die eine gute, zwar nicht vollinhaltlich klinisch ausgerichtete, Ausbildung hinter sich haben, und schon längst erfolgreich prakizierten, nun plötzlich eine sündhaft teure Zusatzausbildung absolvieren müssen. Das ist in etwa zu vergleichen mit einem Schornsteinfeger, der bereits den Meister absolviert hat, der aber nun noch einmal drei Jahre in die Lehre gehen muss, nur weil die Lobby der Heizungsbauer plötzlich ein Gesetz erwirkt, dass nur ihre Zunft in der Lage wäre, Kamine sachgemäß zu reinigen.

Daher weigere ich mich, die erforderliche Zertifizierung zu erwerben. Ich habe meine klinische Ausbildung wie gesagt hinter mir, wurde durch die Behörden vor einigen Jahren auch offiziell mit der Berechtigung zur Durchführung von Psychotherapien ausgestattet, und soll nun noch einmal mind. 25.000 Euro in eine dreijährige Fortbildung stecken (bei der ich obendrein ein Jahr kostenlos in einer entsprechenden Klinik arbeiten soll!), ohne die Möglichkeit, meinen Lebensunterhalt durch Arbeit zu bestreiten? Nein danke! Um es noch einmal zu betonen: Es geht mir nicht darum, gegen eine fachliche Fort- und Weiterbildung zu argumentieren, sondern schlicht um den Kostenfaktor, der neben der immens hohen Gebühr für die Weiterbildung ja auch noch den Verlust an Einnahmen beinhaltet. Daher habe ich meine Schwerpunktarbeit auch von der Therapie in andere Berufszweige verlegt.

Ich betrachte mich jedoch immer noch als freien Psychotherapeuten. Wer daher bereit ist, in eine von mir durchführbare psychotherapie Behandlung selbst zu investieren, kann diese gern genießen. Allerdings ist eine selbst finanzierte Therapie sehr teuer (ca. bis zu 155 Euro pro Stunde), so dass ich empfehle, zunächst einen kassenärztlich zugelassenen Kollegen aufzusuchen.

In manchen Fällen bin ich aber gern bereit, meine Stundensätze dem Einkommen des Klienten anzupassen. Dies gilt vor allem für Schüler und Studenten, die kaum in der Lage sind, überhaupt eine solche Therapie zu finanzieren. In diesen Fällen leite ich gern eine Therapie kostenlos ein und überweise dann an einen Kollegen, der die Behandlung bei Bedarf auf Kosten der Krankenkasse weiterführen kann.

Eine kurze Geschichte der Psychologie

Der Ausdruck “Psychologie” setzt sich aus den Begriffen “Psyche” und “logie” zusammen. “Psyche” stammt aus dem Griechischen und wurde abgeleitet von einem göttlichen Wesen, eben der Psyche, die als zartes Mädchen mit Schmetterlingsflügeln abgebildet das Göttliche im Menschen, die Seele, darstellte. “logie” heißt nichts anderes als Wissenschaft oder - präziser - Lehre.

Diese “Seelenlehre” oder die Wissenschaft der Seele führte über zwei Jahrtausende ein Schattendasein, ehe sie als anerkannter Wissenschaftszweig Einzug in unsere Universitäten hielt. Das war 1879, als Wilhelm Wundt, ein deutscher Physiologe, an der Universität Leipzig erstmals ein Labor zur Erforschung menschlichen Verhaltens einrichtete. Er interessierte sich dabei hauptsächlich für die Phänomene der Wahrnehmung und Empfindung, d.h., dafür, wie der Mensch sich seine Umwelt geistig aneignet.

Fast zur selben Zeit wurde eine andere Disziplin begründet, die sich ebenfalls mit einem Aspekt menschlichen Verhaltens befasste und sich gleichermaßen wissenschaftlicher Methoden bediente. Sie war allerdings einem anderem, praktischeren Zweck untergeordnet: 1881 begann der amerikanische Ingenieur Frederick W. Taylor die für die Ausführungen bestimmter Arbeitsgänge benötigten Zeiten zu messen und Methoden auszuarbeiten, die den Zweck verfolgten, die Arbeitsgänge so zu organisieren, dass sie in möglichst kurzer Zeit erledigt werden konnten. Taylor war der erste Rationalisierungsexperte und - wie alle Angehörigen dieser Zunft - bei den Arbeitern unbeliebt.

Wenn man daran geht, menschliches Verhalten zu sezieren und zu studieren, sei es unter kontrollierten Bedingungen im Labor oder sei es im “natürlichen” Lebensraum der Fabrik, so kommt dies (auf den ersten Blick) dem Versuch gleich, mit grobem Werkzeug eine empfindliche Apparatur auseinander zu nehmen.
Allerdings ist es so, dass reflexgesteuertes Verhalten oder prägungsartige Lernvorgänge, wie wir es bei Tieren finden, auch dem Menschen angeboren werden. Somit begründet sich die Forschung der Psychologie eben auch auf wiederholte und wiederholbare Reflexe und Prägungsergebnisse beim Menschen, die bestimmte Verhaltens- und Einstellungsweisen, also mehr oder weniger Reaktionen des Menschen, erklären können.
Ein Neugeborenes z.B. zeigt zwei Verhaltensweisen bereits im Moment der Geburt: Einen Finger, der seine Handfläche berührt, packt es und hält ihn fest. Zudem saugt es an einer Brustwarze, die seine Lippen berührt. Dass es sich vor allem bei letzterem Reflex um ein lebenswichtiges handelt, liegt auf der Hand.

Um die Bedeutung dieser Erkenntnisse für die Entwicklung der Psychologie zu erkennen, müssen wir uns nun mit dem Begriff der “Konditionierung” beschäftigen. Und damit kommen wir zum nächsten Fortschritt in der Geschichte der Psychologie, der eng mit dem Namen Iwan P. Pawlow verbunden ist.

Psychologie des Lernens

Ein Neugeborenes zeigt vom Moment seiner Geburt an zwei Verhaltensweisen: Ein Finger, der seine Handfläche berührt, wird festgehalten, und an einer Brustwarze, die seine Lippen berührt, wird gesaugt. Es handelt sich um sogenannte Reflexe, also um nicht gelernte Handlungen.

Eine wichtige Frage ist, ob ein Mensch generell über darüber hinausgehende natürliche Reflexe verfügt, also unwillkürlich und automatisch reagiert, oder ob er als rationales Wesen über “bloßes, mechanisches Reagieren” erhaben ist. Anders ausgedrückt: Verfügt der Mensch über einen absolut freien Willen? Oder wird unser Verhalten von Reizen determiniert?

Die klassische Konditionierung nach Pawlow

Iwan P. Pawlow war ein russischer Physiologe, der in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts schlagartig berühmt und für die Psychologie wegweisend wurde. Zunächst beschäftigte er sich mit rein medizinischen bzw. physiologischen Experimenten bei Tieren, ehe er aufgrund einer Versuchsanordnung folgende Entdeckung machte: Jedesmal, wenn man einem Hund Futter vorsetzt, sondert der Hund Speichel ab. Diese Absonderung ist ein sogenannter natürlicher Reflex (dem Hund läuft beim Anblick des Futters “das Wasser im Mund zusammen”).

Pawlow kombinierte nun die Futtergabe mit dem Läuten einer Glocke. Diese Kombination aus Futtergabe und Glockenläuten wiederholte er etwa 30-40 mal, bis der Hund bereits auf bloßes Läuten der Glocke Speichel absonderte. Der Hund hatte also gelernt, dass die Glocke Ankünder für die Futtergabe war, er hatte “assoziiert”. Pawlow nutzte zur Beschreibung dieses Lernphänomens den Begriff “konditionierter Reflex”. Dies müssen wir folgendermaßen betrachten:

  1. Es gab zunächst einen natürlichen Reiz (Sn = das Futter)
  2. es folgte eine natürliche Reaktion (Rn = Speichelabsonderung)
  3. Rn wurde mit einem neutralen Reiz (So = Glockenläuten) kombiniert
  4. die natürliche Reaktion Rn folgte auch auf die Kombination Sn mit So
  5. Rn folgte auch auf So ohne Sn (also ohne den natürlichen Reiz)
  6. da Rn auch erfolgte, wenn So allein geboten wurde, nennt man diese Reaktion eine “konditionierte (angelernte) Reaktion” (Ro).

Folglich handelt sich um die Speichelabsonderung aufgrund des Glockenläutens um eine nicht natürliche, also antrainierte Reaktion. Die Reaktion wurde konditioniert.

Die Versuchsanordnung sowie die sich anknüpfenden wissenschaftlichen Erkenntnisse nennt man Klassische Konditionierung. Aus ihr haben sich in zahlreichen viele Schlussfolgerungen für das Verhalten und Erleben des Menschen ableiten lassen. Wir werden später noch sehen, wie zum Beispiel aus dem Zusammenspiel zwischen einem neutralen und einem angstbesetzten Reiz eine Neurose bzw. ein neurotisches Verhalten entstehen kann.

Zunächst aber zurück zu Pawlow, denn noch ist das Experiment nicht abgeschlossen. Immerhin dürfte der Hund nach weiteren 30 bis 40 Glockenläuten ohne Futter erkannt haben, dass die Kombination nicht mehr stimmt, dass also kein Futter zu erwarten ist, und folglich verschwindet auch die Reaktion der Speichelabsonderung. Diesen Verlust der Ro (konditionierte Reaktion) nennt man “Löschung”. Der Hund reagiert wieder “normal”, also neutral auf das Glockenläuten.

Erwähnenswert dürfte sein, dass Pawlow seine Versuchstiere auf schwierigste Proben stellte, indem er die Verabreichung des Futters mit der Darbietung eines kreisrunden Lichtflecks kombinierte, die Gabe eines Elektroschocks dagegen unter Darbietung eines elliptischen Lichtflecks. So entstand aus dem neutralen Reiz “Kreis” ein angenehmer Reiz und aus dem neutralen Reiz “Ellipse” ein unangenehmer Reiz. Während der angenehme Reiz eine Annäherung (Futter) zur Folge hat, führt der unangenehme Reiz zur Vermeidung (Elektroschock).

Was aber passiert, wenn sich der ursprünglich kreisrunde Lichtfleck immer mehr der Ellipse nähert? Oder umgekehrt? Im Fall der Tiere führte diese Veränderung immer mehr zu einem Dilemma, denn zunächst war der Unterschied ja klar, mit der Zeit nicht mehr erkennbar und die Tiere reagierten mit einem regelrechten Nervenzusammenbruch - sie wurden gar neurotisch.

Die Theorien der Klassischen Konditionierung führten dazu, dass man alles Lernen auf dieses Modell aufbaute und daraus auch bedeutsame Forschungsergebnisse und Erkenntnisse gewann. So z.B. die Erkenntnis, dass Bienen Farben auseinander halten können, wie sie sich ihren Artgenossen mitteilen etc. Auch das Lernen von Lesen und Schreiben, so wie wir es kennen, beruht auf der Klassischen Konditionierung. Doch es gibt auch Lernphänomene, die sich daraus nicht ableiten lassen. Dies führte dazu, dass John B. Watson, ein amerikanischer Psychologe, eine umfassende Theorie einführte, die unter dem Begriff Behaviorismus bekannt wurde (Kapitel 4).

In den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts begründete der amerikanische Psychologe John B. Watson - aufbauend auf der Lehre der Konditionierung - eine neue Theorie über das menschliche Verhalten, die unter dem Begriff “Behaviorismus” bekannt wurde (Behaviour = Verhalten). Watson behauptete, dass menschliches Verhalten nicht vom Willen abhängig, sondern rein durch Konditionierung determiniert sei. Diese Theorie gewann viele Anhänger und wurde Teil der wissenschaftlichen Lehre, obwohl ihr Mangel an Nachvollziehbarkeit offensichtlich war.

Der größte Mangel besteht wohl darin, dass für die interessantesten Teile menschlichen Verhaltens (kreative Intelligenz, künstlerische Fähigkeiten, moralisches Empfinden) wenig bis keine Erklärungen zu finden sind. Auch die menschliche Fähigkeit der Intuition lässt sich schwer mit Konditionierung erklären. Eine Reihe von Beispielen zeigt, dass reine Konditionierung nicht die Grundlage für die Erklärung menschlichen Verhaltens sein kann, wenngleich der Faktor Erfahrung, der so manches Verhalten begründet, mit Lernen eng zusammenhängt. Nehmen wir zum Beispiel die Fähigkeit, aus einem verschlossenen Käfig hinaus zu gelangen. Da uns der Begriff "Tür" geläufig ist, würden wir uns als erstes der Tür zuwenden, während ein Tier dieses Vermögen nicht unbedingt hätte. Wir assoziieren also “Tür” durch Erfahrung mit “Ausgang”, auch wenn wir diesen Raum und diese Tür nie zuvor gesehen haben und sie sich grundsätzlich von anderen Räumen und Türen unterscheiden.

Anhand dieses Beispiels soll lediglich gezeigt werden, dass es für den Mensch leicht ist, Versuch-Irrtum-Prozeduren deutlich abzukürzen, indem er auf Erfahrungen zurückgreift und diese mit den Gegebenheiten vergleicht. Dies ist im extremen Fall sogar rein gedanklich möglich, d.h., der “Gefangene” könnte ohne jegliches Probieren sein Dilemma durch logisches Denken lösen.

Wolfgang Köhler, ein deutscher Psychologe, kam aufgrund von Beobachtungen bei Menschenaffen während des Ersten Weltkrieges zu der Erkenntnis, dass Lernen in Form von “Gestaltwahrnehmung” zustande kommt. Die Schimpansen konnten ohne vorheriges Training oder einschlägige Erfahrungen Probleme wie z.B. das Heranholen einer Banane in einen Käfig lösen, indem sie vorhande Mittel nutzten, die gegenständlich in etwa den gebotenen Anstrengungen entsprachen (z.B. Kisten zum Aufeinanderstellen). Diese Erkenntnis diente später der Begründung der Gestaltpsychologie, einem weiteren lernpsychologischen Ansatz. Mit zunehmender Dauer wurde auch dieser Ansatz verfeinert und verästelte sich zu weiteren Theorien, die hier nicht weiter erörtert werden. Lediglich eine soll noch vorgestellt werden, nämlich die Theorie des Biofeedbacks.

Biofeedback

Was alle Lerntheorien gemeinsam haben ist die These, dass konditionierte Reflexe als Grundlage menschlichen Verhaltens angesehen werden. Unterschieden wird lediglich nach Art und Stärke der Macht, welche die Konditionierung ausübt.

Im Gegensatz hierzu stand lange die Überlegung, dass unbewusste Körperfunktionen wie der Herzschlag, der Blutdruck oder die Darmkontraktion sich des willentlichen Zugriffs entziehen, also vom vegetativen Nervensystem gesteuert werden. Dieser Überlegung entgegen stand aber, dass beispielsweise die Meister des Yoga durchaus in der Lage waren, ihren Herzschlag zu erhöhen oder zu verlangsamen - rein mit ihrem Willen, also durch Konzentration.

Neal E. Miller und seine Mitarbeiter führten Anfang der 60er Jahre Konditionierungsexperimente zunächst mit Ratten durch. Die Tiere erhielten genau dann eine Belohnung, wenn ihr Blutdruck zufällig stieg oder sich die Herzschlagfrequenz zufällig veränderte. Nach einiger Zeit lernten die Ratten, diese vegetativen Körperfunktionen zur Erreichung der Belohung gezielt zu steuern.

Ein vergleichbares Experiment wurde dann auch am Menschen durchgeführt: Männliche Versuchspersonen wurden an Computer angeschlossen, die eine Erhöhung des Blutdrucks oder eine Beschleunigung der Herzfrequenz registrierten und “zur Belohung” einen Lichtblitz aussandten, der dem Mann Bilder von nackten Frauen zeigte. Die Versuchspersonen wussten nicht ,was sie tun mussten, um diese Belohnung zu bekommen; sie merkten lediglich, dass sie die Lichtblitze (Bilder) in immer kürzeren Abständen hervorrufen konnten. Wie ihnen das gelang, konnten sie sich nicht erklären.

Diese Fähigkeit, nämlich unbewusst gesteuerte Körperfähigkeiten (Herzschlag usw.) gezielt zu verändern, wird “Biofeedback” benannt und wurde eine zeitlang als beinahe “mystische Gesundheitslehre” behandelt. Inzwischen jedoch wurde erkannt, dass willentliche Veränderungen des Körpergeschehens lediglich kurzfristige Handlungen ohne nennenswerte positive Folgen darstellen. Umgekehrt ist es wohl sinnvoller, nämlich auf Veränderungen im Körper (erhöhter Blutdruck etc.) zu achten und ihnen entgegen zu wirken. Dies aber fällt in das Gebiet der Psychosomatik, auf das später noch einmal eingegangen wird.

Die menschliche Psyche

Kritik am Schubladendenken!

Wer glaubt, dass so etwas Kompliziertes wie die menschliche Psyche in eine (oder mehrere Schablone) zu pressen sei, der hat sich gewaltig geirrt!

Dieses gilt sowohl für meine Berufskollegen, die nicht selten versuchen, ähnliche Problematiken mit denselben Methoden zu behandeln, obwohl schon nach wenigen Stunden zu erkennen ist, dass diese Methoden nicht greifen können. Dies gilt gleichermaßen für sogenannte “Menschenkenner”, die ohne weiteres Nachdenken, Verstehen oder Begreifen einen Menschen in eine Schublade stecken (Rassissmus ist wohl die schlimmste Form!). Und es gilt natürlich auch für unser ganzes System, wobei ich nur das Gesundheitssystem als Beispiel aufzeigen will:

Hier nämlich lässt die Kassenärztliche Vereinigung aufgrund des Psychotherapeutengesetz nur 3(!) Therapiearten zu, nämlich die klassische Psychotherapie (Tiefenpsychologie), die hoffnungslos überaltert ist und längst nicht mehr alles erklärt, was das Gleichgewicht der Seele stört. Dann die Gesprächstherapie, die ebenfalls auf der Lehre Freuds aufbaut und hinter lediglich der Versuch steckt, durch verbale Verstärkung den Klienten zum verbalisieren seiner psychischen Qualen aufzufordern, was letztlich nicht unbedingt einer Heilung gleichkommt. Und schließlich die Verhaltenstherapie, die wohl hilfreichste der zugelassenen Therapien, da sie wenigstens (im wahrsten Sinne des Wortes) etwas bewegt.

Zwar ist es verständlich, dass aus dem Wust von zeitweise über 250 Therapiearten die nützlichsten und augenscheinlich zweckmäßigsten ausgewählt werden müssen, um Scharlatanerie vorzubeugen; doch warum diese auf 3 reduziert wurden bleibt mir ein Rätsel. Denn der Mensch lebt von Individualität. Es mag zwar vieles vergleichbar sein und manche Verhaltens- oder Empindungsweisen sind zumindest ähnlich, manchmal sogar übereinstimmend, aber niemals ist ein Mensch genau so wie der andere.

Nach Isaac Asimovs Meinung, ist es leicht, deterministische Modelle der Replikation von Nukleinsäuren aufzustellen. Aber selbst hier kommt es hin und wieder zu unvorhersehbaren, durch Umweltfaktoren bedingten Fehlern, die zu einer Mutation führen und unter Umständen die Evolution voranbringen. Dass der Verlauf der Evolution jeweils im einzelnen prognostiziert werden könnte, ist wohl undenkbar.

Erste Eklärungsversuche / Hypnose

Die Methoden, mit denen bislang versucht wurde, das menschliche Verhalten zu beschreiben, es in den Griff zu bekommen, waren eher intuitiv als systematisch. Die Geschichte der Versuche einer naturwissenschaftlichen Erklärung reicht nahezu 2 1/2 Jahrhunderte zurück, als Franz A. Mesmer, ein österreichischer Arzt, mit seinen Experimenten zur Sensation wurde. Er arbeitet zunächst mit Magneten und dann nur noch mit seinen Händen, wobei diese Technik später als “Mesmerismus” bekannt wurde. Mesmer versuchte Kranken dadurch zu heilen, dass er sie in Trance versetzte und ihnen dann einschärfte, sie seien gesund.

Ob es ihm gelang? Wahrscheinlich gab es den einen oder anderen Erfolg. Ob diese aber einer wissenschaftlichen Analyse statthalten würden, mag dahingestellt bleiben, zumal aus ethischen Gründen (wie so oft in der Psychologie) wohl keine Überprüfung im streng wissenschaftlichen (statistischen) Sinn möglich ist oder wäre. Sicherlich gibt es die eine oder andere Krankheit, bedingt auf dem psychosomatischen Prinzip, die durch Suggestion heilbar ist (Stottern z.B.), aber ein ultimativer Weg wurde dadurch sicherlich nicht gefunden und als Erklärung in irgendeiner Richtung reichen die wenigen (Zufalls-) Erfolge kaum aus.

Zumindest hatte Mesmer (der übrigens später der Scharlatanerie bezichtigt und überführt wurde) Einfluss auf die Entwicklung der Hypnose durch den britischen Arzt James Braid. Die Hypnose wurde später unter Josef Breuer (seinerseits Österreicher wie Mesmer) als Heilmethode zur Behandlung psychischer Störungen eingesetzt. Die Hypnose aber hatte immerhin den Vorteil, dass sie eine passable Erklärungsversuche zum menschlichen Verhalten aufgrund der Steuerung durch das Unterbewusstsein bot.

Es lag nämlich die Vermutung nahe, dass Bedürfnisse und Motive, die einstmals im Bewusstsein einer Person lagen, aufgrund von Gefühlen wie Scham oder Schuld verdrängt worden waren, und dass sie nun durch das Unterbewusstsein die Verhaltensweisen in teils unzweckmäßigerweise und irrational steuerten, so dass es für einen objektiven Beobachter als “nicht normal” anzusehen war.

Gemeinsam mit einem jungen Neurologen namens Siegmund Freud arbeitete Breuer nun mit dieser Methode. Sie versetzten Personen in leichte Hypnose, ließen sie über traumatische Erlebnisse berichten und es gelang ihnen, dass durch diese “Katharsis” die Krankheitssymptome verschwunden oder zumindest abgeschwächt waren.

Für die damalige Zeit im höchsten Maße sensationell war, dass Freud zu der Auffassung kam, dass praktisch alle verdrängten Erinnerungen und Bedürfnisse letztlich sexuellen Ursprungs seien.

Siegmund Freud und die Psychoanalyse

Wie gesagt: Für die damalige Zeit war es im höchsten Maße sensationell, dass Freud zu der Auffassung kam, dass praktisch alle verdrängten Erinnerungen und Bedürfnisse letztlich sexuellen Ursprungs seien. Er war davon überzeugt, dass schon kleine Kinder eine Sexualität haben, und dass ihre sexuellen Wünsche, wenn sie von der Gesellschaft (v.a. den Eltern) tabuisiert werden, ins Unbewusste absinken. Von dort aus aber regieren sie in allen möglichen Verkleidungen weiterhin in das bewusste Seelenleben hinein und stürzen die Person unter Umständen in schwere Konflikte, die besonders schwer zu bewältigen sind, weil das bewusste Ich ihre wahren Wurzeln nicht kennt oder nicht wahrhaben will.

Diese Theorie (Behauptung?) war natürlich ein Schlag für die puritanische Gesellschaft, gleichzeitig aber auch (was ja gewollt war) ein Katalysator für nachfolgende wissenschaftliche Untersuchungen dieser Hypothese.

Der bereits erwähnte Josef Breuer lehnte diese Konzentration auf die sexuellen Gesichtspunkte jedoch ab und sagte sich von Freud los. Freud entwickelte daraufhin um 1894 eigene Ideen über die Ursachen psychischer Störungen und die Möglichkeiten ihrer therapeutischen Behandlung. So verzichtete er auch darauf, seine Patienten zu hypnotisieren, und führte die Methode der “Freien Assoziation” ein. Das heißt, der Patient soll alles aussprechen, was ihm gerade in den Sinn kommt, wobei jeder Gedanke erlaubt ist, auch (oder gerade) der unpassendste. Gemeinsam mit dem Patienten wird das so produzierte und gesammelte Gedankenmaterial gedeutet, um den verdrängten Erlebnissen und Motiven auf die Spur zu kommen. Freud nannte diese Methode schließlich “Psychoanalyse”.

Lange Jahre waren seine Theorien, v.a. die Psychoanalyse, heftig umstritten, bis sie endlich nach dem Ersten Weltkrieg eine erstaunliche Popularität erfuhren. Dies ist einerseits auf das weltweite Abbröckeln sexueller Tabus zurückzuführen, andererseits wird auch unterstellt, dass die Lehren Freuds dieses Auflösen der Tabus erst ermöglichten. Was letztlich richtig ist, ist schwer nachweisbar und so bleibt die Erkenntnis, dass Freud als Gründer der Psychoanalyse in den Geschichtsbüchern steht.

Kritik

Die Ansicht, dass Siegmund Freud der Vater der Psychologie sei, ist jedoch schlicht und ergreifend falsch. Dem widerspricht zum Einen die Tatsache, dass die Psychologie als solche schon den Griechen und anderen Frühkulturen bekannt war; zum Anderen aber auch, dass Freud sich wenig bis gar nicht solch konkreten psychologischen Problemen wie der Wahrnehmung, der Kommunikation etc. widmete, sondern “stur” bei den vermeintlichen Ursachen verhaftete. Es ist leider bedauerlich, dass in einer beinahe rundum aufgeklärten Gesellschaft wie der unsrigen die Theorien Freuds (z.B. das Konstrukt “Es - Ich - Überich” oder der “Ödipus-Komplex”) nach wie vor als ultimativ gültig gehandelt werden. Insbesondere im Pädagogikunterricht der weiterführenden Schulen werden allzugern Freuds Theorien (neben derer von Piaget) als absolut stimmig und quasi für jede Situation passend gelehrt. Meine persönliche Hypothese hierfür lautet:

Etliche Pädagogiklehrer sind (wie so viele “Menschenkenner”) Möchtegern-Psychologen, die sich oberflächlich mit einer Wissenschaft auseinander setzen, zu der ihnen der tatsächliche Zugang verborgen bleibt. Die gilt übrigens auch für einige Kollegen. Doch das ist eine andere Geschichte und soll... ach nein, das ist von Michael Ende ;-)

Tatsache dürfte sein, dass die Gläubigkeit, mit der ein Großteil unserer Gesellschaft an der Lehre Freuds hängt, fast schon als religiöser Wahn bezeichnet werden kann. Wie anders ist es zu verstehen, dass in unserem ohnehin überlasteten Gesundheitssystem die Arbeiten von Psychotherapeuten nur auf der Grundlage von drei anerkannten Schulen durch die Krankenkassen finanziert wird: Die Verhaltenstherapie (nachvollziehbar), die Gesprächstherapie (eingeschränkt nachvollziehbar) und eben die Tiefenpsychologie basierend auf Freud (gar nicht nachvollziehbar).

Die Psychoanalyse ist genau genommen eher Kunst als Wissenschaft. Gut, das gilt auch für die Beschreibung vieler ärztlicher Leistungen, aber für die Psychoanalyse gilt vor allem eins: Theorien, Erkenntnisse und gar Erfolge sind empirisch so gut wie gar nicht nachweisbar! Schlussfolgerungen in diesem Bereich beruhen vor allem auf intuitiver Einsicht und subjektivem Urteil. Und was noch wichtiger ist: Es gibt in der Psychiatrie (von der die Psychoanalyse ja nur ein Ansatz ist) so gut wie keine nennenswerten, nachvollziehbaren Erfolge! Die Zahl der psychischen Erkrankungen jedenfalls konnte im Lauf der Jahrzehnte nicht nennenswert reduziert werden.

Ob die Psychologie dennoch helfen kann? Ja! Denn es gibt natürlich Bereiche, in denen die Forschungsergebnisse und praktischen Ansätze der Psychologie hilfreich sind. Doch diese liegen in der Regel im individuellen Ansatz und können nicht übertragen werden. Es gibt tatsächlich beinahe so viel theoretische Ansätze wie Therapeuten. Letztlich aber entscheidet die Beziehung zwischen Therapeut und Klient, ob die Arbeit (für den Klienten!) von Erfolg gekrönt ist.

Die psychischen Krankheiten

Psychische Krankheiten werden im Wesentlichen in zwei Hauptgruppen unterteilt: die Neurosen und die Psychosen. Jede umfasst eine Vielzahl verschiedener Störungen mit spezifischer Problematik.

Neurosen dürften den meisten von uns im Alltag in irgendeiner Form schon begegnet sein. Sie treten nicht selten als Folge von Konditionierungseffekten auf. So kann z.B. eine unberechtigte Bestrafung durch einen Lehrer in der Grundschule je nach Problemlage und Charakter des Kindes eine neurotische (unbegründete!) Angst vor der Schule im allgemeinen auslösen. An diesem Beispiel und weiteren anderen ist vor allem deutlich, dass eine angstauslösende Situation neurotische Handlungen steuert.

Die Palette psychischer Krankheiten reicht von leichten bis chronisch depressiven Zuständen über Zwangsvorstellungen bis zu Störungen, die einen vollständigen Rückzug aus der Realität in eine Welt beinhalten, die nicht der Wirklichkeit entspricht, die die meisten von uns wahrnehmen. Eugen Bleuler, Schweizer Psychiater, prägte den Ausdruck “Schizophrenie”. Im Gegensatz zur allgemeinen Auffassung bedeutet Schizophrenie jedoch nicht “gespaltene Persönlichkeit”, sondern benennt eine Vielzahl von Krankheiten oder auch nur Persönlichkeitsstörungen, die dem Betroffenen Schwierigkeiten bereitet, sich im Alltag zurecht zu finden bzw. sich angepasst zu verhalten.

Während frühere Schock-Therapien (bekannt sind die Elektroschocks oder die Insulinschock-Therapien) wenig bis gar nichts an Erfolg in der Behandlung zeigten, so haben sich mittlerweile Erfolge bei der Bekämpfung dieser Krankheitsgruppe mit Hilfe von Medikamenten eingestellt.

Die Behandlung psychischer Krankheiten leidet jedoch vor allem daran, dass auch eine gleichartige Symptomatik nicht auf gleiche Ursachen schließen lässt. Auch ist es ein Irrglaube, gleiche Krankheiten mit gleichen Methoden heilen zu wollen. Psychische Krankheiten nämlich zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass das Individuum eine völlig eigene Sichtweise (Schutz!) der Dinge bzw. der Realität entwickelt, eigene Handlungsstränge sind daraus zwar ableitbar aber nicht unbedingt vorhersehbar und letztlich muss der behandelnde Arzt/Psychiater/Psychologe in der Lage sein, sich voll und ganz in die Persönlichkeit des Kranken einzubinden, sich also mit seiner Lebensgeschichte ausgiebig zu beschäftigen.

Um einen psychisch Kranken wirklich behandeln zu wollen bzw. zu können, bedarf es unendlicher Geduld und Willen, genau diesem Kranken zu helfen. Ist das heute überhaupt möglich? War es eigentlich jemals möglich?

Darüberhinaus stellt sich die Frage, ob es dem Kranken überhaupt gut tut, dass man ihm hilft. Würde es nicht für einen stark schizophrene Patienten nicht schlimmer bzw. bedrohlicher sein, sich in unserer normierten Alltagswelt wider zurecht finden zu müssen?
Noch mehr aber ist die Frage der Notwendigkeit von Hilfe angesagt, wenn es um psychische Abnormitäten der Art geht, dass z.B. ein Vergewaltiger und/oder Kinderschänder in unserer Gesellschaft sein Unwesen treibt, in die Psychiatrie überstellt wird und dort “angepasstes Verhalten” zeigt, um dann irgendwann entlassen zu werden - bis er Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre später wieder rückfällig wird.

Da diese Website neben einer kurzen Information über den Begriff Psychologie nur einen kleinen Einblick in die Gebiete ermöglicht, die die Psychologie ausmachen, sind natürlich solch weitreichenden Bemerkung von oben gefährlich. Dennoch stelle ich diese Beurteilung hier hinein in der Hoffnung, dass sie weitreichende Diskussionen (auch mit mir) einleitet.

Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit den Mitteln, mit denen psychische Krankheiten behandelt werden (wenn auch nicht immer oder selten erfolgreich).

Behandlung von psychischen Krankheiten

Therapiemethoden (-schulen)

In der Geschichte der Behandlung von psychischen Krankheiten stehen vor allem und immer wieder die schizophrenen Erkrankungen im Fokus der Aufmerksamkeit. Die Behandlung von (leichten) Neurosen, depressiven Verstimmungen, Ängsten und ähnliche, nichtkörperliche Erkrankungen dagegen stehen eher hintan. Damit will ich ausnahmsweise keine Kritik üben. Es ist durchaus verständlich, dass den schwereren Krankheiten (weil für das Individuum und die Gesellschaft in der Regel bedrohlicher) ein höherer Forschungsstellenwert zuerkannt wird.

Was ich schlimmer finde ist die unglaublich hohe Zahl an sogenannten Therapieschulen. Fassungslos konnte ich vor etwa 10 Jahren in einem Fachartikel lesen, dass wir (unter Berücksichtigung der Verzahnung einzelner Methoden wie z.B. der Hypnose) schon damals weit über 250 beschriebene und (angeblich nachgewiesen) erfolgreiche Methoden kennen. Zweihundertfünfzig! Und in den Folgejahren kann sich das noch vervielfältigt haben, wenn man die Evolution der Psychologenriege betrachtet.

Ich schrieb ja bereits, dass es quasi so viele Heilmethoden wie Psychologen gibt. Diese These bleibt auch so stehen. Aber mit Entsetzen muss ich feststellen, dass zwischen dem Wahnwitz der oben genannten Zahl und der derzeit als “anerkannt” geltenden Methoden (drei!) eine riesige Lücke klafft.

Wo also liegt die Wahrheit? Kann jede psychische Krankheit mit der Wahl aus nur drei anerkannten Methoden behandelt werden? Oder gibt es tatsächlich mehr als 250 Methoden, aus denen man sich die richtige für eine bestimmte Krankheit aussuchen kann?

Kritik

Mag sein, dass wir das heute, morgen und auch noch in zehn und noch mehr Jahren nicht ausschöpfend diskutieren können; aber ich stelle hier noch einmal die Behauptung auf, dass es weniger auf die Methode, als mehr auf die Person des Untersuchers, des Behandelnden ankommt - ergo auf den Psychologen, Therapeuten oder Psychiater.

Die Kernfragen dürften sein:

  • Kann der Therapeut sich mit der besonderen Empfindung des Patienten gebührend auseinandersetzen?
  • Nimmt er sich genügend Zeit und erhöht seine Aufmerksamkeit bei der Anamnese und Exploration?
  • Vergisst er wenigstens für die Anfangsphase der Arbeit seine Plantheorien und... HÖRT ZU?
  • Ist der Therapeut darüber hinaus bereit, seinen ursprünglichen Therapieplan (so er überhaupt einen hat, was schon eine eigene Frage wert ist!) zu korrigieren, weil er feststellt, dass er (und nicht der Patient!) einen Einschätzungsfehler begangen hat?
  • Und schließlich: Ist der Therapeut auch wirklich an einem Gesundungserfolg interessiert? Das heißt, schleppt er nicht den Patient aus Gewinngründen (wir arbeiten ja nun mal nicht ehrenamtlich) nur immer weiter durch?

Medikamente und Drogen

Schon die Menschen der Antike wussten, dass manche Pflanzensäfte Halluzinationen oder Glücksgefühle hervorzurufen vermochten. So kauten die Priesterinnen von Delphi bestimmte Pflanzen, bevor sie ihre rätselvollen Orakelsprüche taten. Bei etlichen Indianerstämmen im Südwesten der USA war das Kauen von “Peyote” (Mescalin), das optische, farbige Halluzinationen erzeugt, ein ritueller Brauch.

In einer unzugänglichen Gegend des Irans berauschte sich im Mittelalter eine islamische Sekte an Haschisch, das aus Blüten des Hanf gewonnen wird. Die eingenommene Droge verlieh dem Berauschten das Gefühl, Blicke in das Paradies werfen zu können. Um diesen “Schlüssel zum Himmelstor” zu erhalten, befolgten sie alle Befehle ihres Führers, dem “Alten Mann der Berge”. Dieser schreckte natürlich auch vor Modaufträgen nicht zurück, die seine Gefolger ihm willig erfüllten. Aus diesem Grund wurde der Begriff “Haschisch” dann auch zum Synoym für “Mörder”. Das englische Verb “assassin” (Meuchelmörder) entstammt daher auch diesem Zusammenhang. Diese Sekte, die Haschischin, wurde im Jahre 1226 durch die mongolischen Eroberer ausgerottet, die Droge jedoch blieb (wie allgemein bekannt) erhalten.

Das Gegenstück solch euphorisierender Drogen sind als Tranquilizer (“Ruhigsteller”) bekannt. Einer der ältesten bekannten Wirkstoffe ist das Reserpin, das bereits im 10. Jahrhundert in Indien genommen wurde. Es wird seit 1952 in der Psychiatrie angewandt. Tranquilizer haben den Vorteil, dass Angstgefühle zerstreut oder zumindest reduziert werden, ohne die psychische und physische Aktivtät nennenswert zu beeinträchtigen. Auf diese Weise gelingt es nicht selten, störende Symptome (wie z.B. in einigen Schizophreniefällen) so zu unterdrücken, dass die Chance zur Anwendung anderer, sinnvollerer Therapien erhöht werden kann. Nachteilig ist, dass diese Droge so populär wurde, dass sie auch außerhalb der Psychiatrie als vermeintliches Allheilmittel gekauft und angewendet wird.

Kritik

Psychotherapeuten, Psychiater und andere Fachärzte, die sich der Hilfe von Psychopharmaka bedienen, tun dies in der Regel nach Absprache mit dem Patienten und/oder Kollegen. Leider aber wird - meist aus Bequemlichkeitsgründen - allzu oft der “Ruhigsteller” verschrieben, um sich der lästigen Nebenwirkungen zu entledigen. Hier aber nicht der Lästigkeit der Krankheitssymptome für den Patienten, sondern der Lästigkeit dieser Symptome für den Behandelnden.

Ein trauriges Beispiel ist die routinemäßige Gabe von “Haldol” auf den Stationen der psychiatrischen Einrichtungen. Haldol gilt als der Hammer unter den Tranquilizern und versetzt den Patienten nicht selten in einen nahezu katatonischen Zustand, so dass er für mehrere Stunden, teils Tage nicht ansprechbar ist und (wenn überhaupt) nur wie ein Roboter reagiert.

Ich durfte leider in meiner Ausbildung zum Psychotherapeuten dabei sein, als es einmal mehr “Störungen” auf der geschlossenen Station für chronisch schizophrene Kranke einer großen Landesklinik (Lehrkrankenhaus!) gab, weil zwei Patienten den “Tagesablauf” durch andere Aktivitäten unterbrachen. Sowohl diese Patienten als auch die Aktivitäten selbst waren eher harmloser Natur, doch weil die Patienten sich weigerten, den üblichen Tagesplan einzuhalten, wurden sie gewaltsam unter Haldol gesetzt und waren für mehr als 2 Tage außer Gefecht gesetzt. Danach übrigens folgten sie wieder willig den Anordnungen des Personals. - Warum wohl?

Wahrscheinlich bekomme ich von vielen Kollegen aufgrund meiner Anti-Haltung gegen jegliche zwangsweise Verordnung von Tranquilizern gehörig den Kopf gewaschen, doch ich bleibe dabei: Wer nicht freiwillig der Einnahme zustimmt, sollte auch nicht unter diese Droge gesetzt werden!

Im nächsten Abschnitt werde ich noch kurz auf den Drogenkonsum allgemein eingehen.

Drogenkonsum

Nicht alle Menschen reagieren auf eine bestimmte Dosis einer Droge genau gleich. Wir sehen das vor allem an der allzuleicht zugänglichen Gesellschaftsdroge Alkohol. Viele mögen sagen, dass es Ansichtssache ist, ob Alkohol eine Droge ist oder nicht. Aber bei Drogen gibt es keine Ansichten sondern nur Fakten. Das soll nicht heißen, dass ich puritanisch denke. Auch Abstinenzler bin ich nicht. Aber es ist immer die Frage, wie ich mit Drogen umgehe. Und das ist (zunächst) eine Frage des Charakters, später leider eine Frage der psychischen und/oder körperlichen Abhängigkeit.

Es gibt im Internet natürlich zahlreiche Seiten, die über das Thema Drogen berichten, sie kritisch und auch unkritisch darstellen, sie in den Himmel loben oder verteufeln. Ich selbst verweise auf eine sehr interessante Website, die zwar nicht vor dem Konsum warnt (das mache ich gleich noch), die aber sehr aufschlussreich über die derzeit gängigen Drogen berichtet:

http://www.beepworld.de/members75/hardbassboy21/dr...

Man kann über Drogen (oft als Aufputsch- oder Beruhigungsmittel doch arg missverstanden) denken wie man will, Fakt ist, dass Drogen mehr oder weniger gefährlich in den psychischen und physischen Ablauf des Konsumenten eingreifen. Ich will dies einmal am Beispiel der eben allzu leicht verkannten Droge Alkohol zeigen:

Wenn ein Mensch, der noch nie mit Alkohol in Berührung gekommen ist, ein exakt 2cl großes Glas gefüllt mit 40%igem Schnaps trinken würde, dann würde er sofort(!) die Wirkung spüren! Das mag uns, die wir Alkohol zumindest gewöhnt sind, seltsam erscheinen, aber - wie gesagt - das ist Fakt. Da die wenigen Menschen, die noch nie Alkohol getrunken haben, schwer zu finden sind (es sei denn, man nimmt Kinder), lässt sich dies im Alltag leider schlecht nachweisen. Wie dem auch sei - bereits der erste Schluck Alkohol verteilt sich gleichmäßig im Körper, also auch im Gehirn, und zeigt Wirkung.

Mit der Zeit werden wir alle, das heißt, die Menschen, die Alkohol auch nur gelegentlich trinken, zu Trinkgewöhnten. Genauer gesagt: Das Gehirn lernt ziemlich bald die Wirkung kennen und stellt sich darauf ein. Genau dieses Faktum ist es, was die Droge Alkohol so gefährlich macht. Während es am Anfang noch zwei-drei Gläser Bier (Wein, Schnaps) sind, die einem die Wirkung in Form von Schwanken, Lallen oder Übelkeit aufzeigen, braucht es später immer mehr, um diesen Zustand herbeizuführen. Man ”trainiert” Gehirn und Körper an die Wirkung der Droge Alkohol und dem Umgang damit.

Diese Aussage ist in zweierlei Hinsicht zu betrachten: einerseits positiv und andererseits negativ. Positiv ist auf jeden Fall die Schutzfunktion des Gehirns für “seinen” Körper, die uns im normalen Trinkstadium (über das der durchschnittliche Alkoholtrinker nie hinausgeht) vor den lästigen Begleiterscheinungen (also Schwindel etc.) bewahrt. Negativ aber vor allem deshalb, weil sich die Schwelle, an der wir die Wirkung noch bewusst wahrnehmen, immer höher hinausschiebt.

Die Grenzen, ab wann Alkohol schädlich ist, sind fließend, und je nach Einstellung und Profession sehr unterschiedlich gesetzt: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft einen Menschen, der täglich mehr als 40g Alkohol zu sich nimmt (das sind entweder ca. 1 Liter Bier, also 2 Flaschen oder 5 Gläser à 0,2l; das sind aber auch 1/2 Liter Rotwein oder 10cl Schnaps) als “Missbräuchler” ein. Dieser Begriff kennzeichnet den Übergang zwischen einem Wenigtrinker und einem Alkoholiker, wobei das Grenzgebiet zwischen diesen Extremen doch recht groß ist.

Der Gesetzgeber in Deutschland misst wiederum die Gefahr in Promillewerten. Bei uns hat sich inzwischen die 0,5 Promille-Grenze als tabu zum Fahren durchgesetzt. Das bedeutet schlicht nichts anderes, als dass man mit 5 Glas Bier (0,2l) oder der entsprechenden Menge anderer alkoholhaltiger Getränke nicht mehr fahren KANN (also darf). Wenn jedoch der Alkoholtrinker meint, er wäre noch verkehrstauglich, hat bereits der negative Trainingsprozess begonnen, das heißt, man ist den Alkohol zumindest in dieser Menge schon so gewöhnt, dass man die Wirkung nicht mehr spürt.

Gleiches gilt natürlich auch für andere Drogen. Anfangs ist die Wirkung meist sofort zu spüren und wird sogar häufig als unangenehm empfunden. Später jedoch, mit zunehmenden Konsum, reicht dann die Dosis nicht mehr aus. Und je nach Gewöhnung kann man bald von Abhängigkeit sprechen und der Weg ins selbst gebaute Unglück ist absehbar.


Deshalb: Hände weg von Drogen!

Und auch für Alkohol gilt: Wenn schon regelmäßig, dann mäßig!

Auf jeden Fall aber:

Hände weg vom Steuer nach jeder Art von Drogenkonsum!